02.06.2014


Geothermie-Projekt St.Gallen: «Singlette» bleibt Option

Das Geothermie-Projekt St.Gallen ist ein wichtiger Meilenstein der noch jungen Technologie «Tiefengeothermie». Die Machbarkeit für die Nutzungsvariante laquo;Singlette» wird in St.Gallen genauer überprüft. Langzeittests zur fundierten Beurteilung der produzierbaren Gasmenge werden ins Auge gefasst. Die «Singletten»-Nutzung ist aus technischer und seismischer Sicht vertretbar und könnte wirtschaftlich interessant sein. Für den Bund ist und bleibt die Tiefengeothermie eine bedeutende Energiequelle mit enorm grossem theoretischem Potenzial für die Energiestrategie 2050. Innovative Technologien benötigen Pioniergeist, Durchhaltevermögen und breiten Rückhalt. Die Politik muss daher klare Signale senden und die Branche mit einer Stimme sprechen.

Das Geothermie-Projekt St.Gallen ist ein wichtiger Meilenstein der noch jungen Technologie «Tiefengeothermie». Deren Erfolg ist von der Realisierung von Pilotanlagen abhängig.

 Die Nutzung der Geothermiebohrung in St.Gallen wird weiter abgeklärt. Die umfassende Analyse der geologischen Daten und der Produktionstests ergab, dass aus technischer, seismischer bzw. wirtschaftlicher Sicht die ursprünglich angedachte Variante einer «Dublette» oder auch eine tiefe Erdwärmesonde nicht mehr weiter abgeklärt werden. Die Variante einer «Singlette» (Nutzung nur einer einzelnen Produktionsbohrung) ist jedoch gemäss heutigem Kenntnisstand interessant. Eine solche Nutzung ist technisch machbar und in Bezug auf das Erdbebenrisiko vertretbar, da nur produziert würde. Je nach Gasmenge im Untergrund wäre eine Förderung auch wirtschaftlich interessant.

Eine allfällige «Singletten»-Nutzung macht weitere rechtliche und technische Abklärungen notwendig, z. B. hinsichtlich der Komplettierung der Bohrungen oder der obertägigen Anlagenplanung. Für die Abschätzung der Wirtschaftlichkeit ist ein Langzeittest erforderlich, welcher Angaben zur produzierbaren Gasmenge sowie der genauen Zusammensetzung von Gas und mitproduziertem Wasser ergeben würde. Die Durchführung könnte im Winter 2015/16 erfolgen und das geförderte Erdgas könnte direkt in das Gasnetz der Sankt Galler Stadtwerke eingespeist werden. Der Stadtrat von St.Gallen will Mitte 2014 über die Durchführung eines Langzeittests entscheiden.

Das Signal des Bundes ist eindeutig: Die Geothermie mit ihrem theoretisch enorm grossen Potenzial ist und bleibt ein wichtiges Element der Energiestrategie 2050 und wird auch zukünftig vollumfänglich unterstützt. Mit der Tiefengeothermie stehen wir am Anfang der Lernkurve. Innovative Technologien benötigen Pioniergeist, Durchhaltevermögen und breiten Rückhalt. Rückschläge sind Bestandteil jedes Forschungs- und Pilotprojektes. Wie viele Fehlschläge hat es beim Projekt der Amerikaner für ihre Mondmission gegeben? Projektergebnisse z. B. hinsichtlich der Wassermenge und Temperatur sind wegen der Vielfältigkeit des Schweizer Untergrundes nur vor Ort gültig. Damit die wirtschaftliche und technische Machbarkeit der umweltfreundlichen Bandenergie «Tiefengeothermie» auch in anderen Regionen abgeklärt werden kann, bedarf es dringend klarer Signale der Politik, sowohl an die Bevölkerung als auch an die Projektanten und Investoren. Die Branche ihrerseits muss mit einer Sprache sprechen. Wenn diese Rahmenbedingungen gegeben sind hat die Tiefengeothermie die Chance, einen bedeutenden Beitrag zum Gelingen der Energiewende zu liefern. Die Menschheit hat es auf den Mond geschafft. Wir werden es auch schaffen, die unerschöpfliche Erdwärme zum Wohle der Menschheit zu nutzen.



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